Blackout-Vorsorge — Checkliste für Haushalt und Gruppe
Ein echter Blackout ist mehr als 20 Minuten ohne Strom: kein Heizung, kein Wasserdruck (nach einiger Zeit), keine Kartenzahlung, Handynetz bricht nach wenigen Stunden zusammen. Diese Checkliste zeigt, wie ihr euch pragmatisch für bis zu 72 Stunden absichert — und warum die Gruppe um euch herum entscheidend ist.
Was ein Blackout wirklich bedeutet
Ein kurzer Stromausfall ist Alltag. Ein Blackout (> 24 Stunden, großflächig) hat Kaskadeneffekte, die viele unterschätzen:
- Nach 2–6 Stunden: Handynetze fallen aus, weil Funkmasten-Akkus leer sind
- Nach 12 Stunden: Pumpen im Wasserwerk brauchen Notstrom, Wasserdruck sinkt
- Nach 24 Stunden: Gefriergut beginnt zu tauen, Supermärkte sind leer oder geschlossen, Tankstellen ohne Strom zapfen nicht
- Nach 48 Stunden: Kartenzahlung funktioniert nirgends mehr, nur Bargeld hilft
Die Vorbereitung richtet sich nach diesem Zeitrahmen — nicht nach „was, wenn das Licht 10 Minuten ausgeht“.
1. Licht
- Pro Person eine Stirnlampe mit Reservebatterien (Stirnlampen sind praktischer als Taschenlampen — Hände frei)
- Eine größere Raumleuchte für gemeinsame Räume (LED-Campinglaterne)
- Teelichter und lange Streichhölzer als Backup — nur in stabilen Gläsern nutzen
- Powerbank mit 20.000 mAh oder mehr, immer voll geladen
2. Wasser
- 2 Liter Trinkwasser pro Person und Tag × 3 Tage = 6 Liter pro Person minimal
- Zusätzlich Brauchwasser für Spülung/Hygiene (Badewanne füllen, sobald absehbar ist, dass der Strom länger ausfällt)
- Wasserfilter oder Entkeimungstabletten für den Fall, dass das Leitungswasser unsicher wird
- Eimer mit Deckel — für Abwasser, falls die Spülung nicht mehr funktioniert
3. Kochen
- Gas-Campingkocher mit 2–3 Ersatzkartuschen (nur im gut belüfteten Raum nutzen, nie im Schlafzimmer)
- Lebensmittel, die ohne Kühlung haltbar sind: Reis, Nudeln, Konserven, Haferflocken, Nüsse, Trockenfrüchte
- Vorräte für mindestens 72 Stunden, besser 7–10 Tage — auch das BBK empfiehlt 10 Tage
- Dosenöffner (manuell!) — klingt banal, fehlt aber oft
4. Heizen (im Winter entscheidend)
- Schlafsäcke, die tiefe Temperaturen aushalten, plus Wolldecken
- Ein Raum als „Wärmeinsel“: kleinste geeignete Raum, Türen geschlossen, isoliert
- Thermoskannen für heiße Getränke — einmal kochen, mehrfach nutzen
- Warme Kleidung in mehreren Lagen, feste Schuhe, Mütze
- Vorsicht: Gas- oder Petroleum-Heizgeräte nur mit sehr guter Belüftung (Kohlenmonoxid-Gefahr); nie über Nacht laufen lassen
5. Kommunikation
- Batteriebetriebenes oder Kurbelradio (DAB+ und UKW) für Notfallinformationen
- Ausgedruckte Liste aller wichtigen Telefonnummern (Handy leer = Kontakte weg)
- Feste Absprache mit Familie: Wenn Netz weg, treffen wir uns an Ort X oder um Uhrzeit Y
- Person außerhalb der Region als Knotenpunkt (siehe Notfallplan-Ratgeber)
6. Bargeld und Dokumente
- Bargeld für 3–7 Tage Grundbedarf, in kleinen Scheinen (20er, 10er, 5er)
- Kopien der wichtigsten Dokumente (Personalausweis, Versicherung, Medikamentenliste) wasserfest
- Benzin/Diesel im Tank — lieber halbvoll statt leer, wenn sich eine Lage abzeichnet
Warum Gruppe wichtiger ist als Einzelvorsorge
Jeder Haushalt kann 72 Stunden autark überstehen — danach wird es sozial. Wer seine Nachbarn kennt, hat enorme Vorteile: Medikamente, die jemand übrig hat; Brennholz, das die eine Familie hat und die andere nicht; eine ältere Person, die nicht alleine bleiben sollte; Kinder, die beschäftigt werden wollen.
Der wichtigste Einzelschritt in der Blackout-Vorsorge ist deshalb nicht der Kauf von Vorräten, sondern ein Gespräch im Treppenhaus oder auf der Straße: „Wenn wirklich mal der Strom länger weg ist — wer ist hier, auf wen können wir zählen, was hat jeder im Haus?“
Vorsorge gemeinsam organisieren
Wertekrise hilft euch, Packlisten, Treffpunkte und Verantwortlichkeiten mit eurer Gruppe (Familie, Freunde, Nachbarn) abzustimmen — offline verfügbar und als PDF druckbar.
Gruppe anlegenHäufige Fragen zur Blackout-Vorsorge
Wie lange sollte der Vorrat reichen?
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) empfiehlt 10 Tage Lebensmittel und Wasser. 72 Stunden sind das absolute Minimum, mit dem man Zeit gewinnt.
Muss ich einen Generator kaufen?
Für die meisten Haushalte nein — Generatoren sind teuer, laut, brauchen Treibstoff, dürfen nicht innen laufen. Eine leistungsstarke Powerstation (LiFePO4) ist oft die bessere Wahl für Licht, Laden und ggf. Kühltruhe.
Ist das nicht übertrieben?
Die gleiche Frage wurde 2020 zum Pandemie-Thema gestellt, 2022 zur Gasversorgung. Vorsorge ist nicht Angst — es ist, dass man sich im Ernstfall nicht ärgert.