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Treffpunkt bei Stromausfall — so legt ihr ihn sinnvoll fest

Wenn das Handynetz ausfällt, könnt ihr euch nicht mehr schreiben „Wo bist du?". Genau dann entscheidet der vorher abgesprochene Treffpunkt, ob ihr euch innerhalb einer Stunde findet oder stundenlang aneinander vorbeilauft. Dieser Leitfaden zeigt, wie ein Treffpunkt aussehen muss, damit er im Ernstfall wirklich funktioniert.

Kurzfassung Ihr braucht zwei Treffpunkte: einen Haupt- und einen Ausweichtreffpunkt. Beide müssen zu Fuß erreichbar sein, unverwechselbar benannt und bei verschiedenen Szenarien funktionieren (zu Hause unzugänglich, ganzes Viertel betroffen, Region betroffen).

Warum reicht „wir rufen uns dann an" nicht?

Bei einem längeren Stromausfall fallen Mobilfunkmasten nach wenigen Stunden aus — die Akku-Pufferung in den Antennen ist begrenzt. Bei Großlagen ist das Netz ohnehin überlastet. In genau diesen Momenten gibt es nur noch eins, worauf ihr euch verlassen könnt: die Absprache, die vorher getroffen wurde.

Die 5 Kriterien für einen guten Treffpunkt

1. Zu Fuß erreichbar

Wenn Strom weg ist, fallen auch Ampeln, Tankstellen, ÖPNV und ggf. Ladeinfrastruktur aus. Der Treffpunkt muss in 30–45 Minuten zu Fuß erreichbar sein — von allen Orten, an denen ihr euch üblicherweise aufhaltet (Zuhause, Arbeit, Schule, Kita).

2. Unverwechselbar benannt

„An der Ecke beim Bäcker" ist schlecht — es gibt mehrere Ecken, Bäcker verändern sich. Gut sind markante, stabile Orte:

Schlecht: „Spielplatz" — davon gibt es mehrere.
Gut: „Spielplatz an der Roseggerstraße, vor dem großen Kastanienbaum"

3. Für alle erreichbar und sichtbar

Der Treffpunkt sollte für kleine Kinder und ältere Menschen gleichermaßen funktionieren: keine Treppen, nicht zu weit, nicht in einer dunklen Ecke. Wenn ihr abends hinkommt: Ist der Ort noch wiedererkennbar? (Achtung bei Parks, die nachts geschlossen sind.)

4. Wetterfest

Plant einen Ort, an dem man sich auch bei Regen, Schnee oder Hitze 1–2 Stunden aufhalten kann. Ein Vordach, eine Bushaltestelle, eine Kirche oder das Portal eines öffentlichen Gebäudes sind gut. Freie Fläche ohne Schutz ist bei schlechtem Wetter ein Problem.

5. Zwei Varianten denken

Ihr braucht zwei Treffpunkte, weil ein einzelner immer ein Risiko hat:

Beispiele aus der Praxis

Familie mit Kindern in einer Kleinstadt:
Haupttreffpunkt: Brunnen auf dem Marktplatz — zentral, markant, von allen Schulwegen aus in 20 Minuten erreichbar.
Ausweichtreffpunkt: Bahnhofsvorplatz unter der Infotafel — falls Marktplatz wegen Einsatzkräften gesperrt ist.
Freundeskreis in einer Großstadt:
Haupttreffpunkt: Eingang des Hauptparks an der Nordseite, beim Kiosk.
Ausweichtreffpunkt: Vor dem Rathaus auf der Treppenstufe links — sichtbar, überdacht, gut erreichbar.
Nachbarschaftsgruppe im Wohngebiet:
Haupttreffpunkt: Vor dem gemeinsam genutzten Spielplatz, an der großen Eiche.
Ausweichtreffpunkt: Parkplatz vor dem Supermarkt (zwei Straßen weiter) — offener Raum, Platz für viele, Sichtbarkeit aus allen Richtungen.

Absprachen zum Treffpunkt

Der Treffpunkt allein reicht nicht — macht zusätzlich diese Regeln aus:

Der Treffpunkt muss geübt werden

Ein einziges Mal gemeinsam hingehen — zu Fuß, verschiedene Startpunkte (von Schule, Arbeit, zu Hause) — macht den Unterschied. Für Kinder gilt: Sie müssen den Weg aus eigener Erinnerung finden können, nicht aus Google Maps (das im Ernstfall eventuell nicht geht).

Treffpunkte mit Karte in der App festhalten

Wertekrise speichert eure Treffpunkte mit Karte und Wegbeschreibung offline — auch ohne Netz sofort abrufbar. Als PDF druckbar, sichtbar für die ganze Gruppe.

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Häufige Fragen

Was ist mit offiziellen Notfalltreffpunkten der Kommunen?

Einige Städte (z.B. in Baden-Württemberg oder in der Schweiz) richten offizielle Notfalltreffpunkte mit Ansprechpersonen, Info und Hilfe ein. Diese sind ein guter Ausweichtreffpunkt, aber nicht der Haupttreffpunkt — denn sie werden erst nach einiger Zeit besetzt und nicht jede Gemeinde hat sie.

Sollten wir den Treffpunkt geheim halten?

Nein — der Treffpunkt ist für eure Gruppe, nicht gegen andere. Es schadet nicht, wenn Nachbarn davon wissen. Umgekehrt: Wenn jemand euch dort sucht und findet, ist das ein Vorteil.

Reicht ein Treffpunkt bei uns zu Hause nicht?

Nur, wenn euer Zuhause immer sicher erreichbar ist. Das ist im Ernstfall oft nicht der Fall (Feuer, Evakuierung, Gebäudeschaden). Mindestens ein Treffpunkt sollte außerhalb der Wohnung liegen.