Familien-Notfallplan erstellen — Schritt für Schritt
Ein Familien-Notfallplan ist kein Behörden-Dokument, sondern eine gemeinsame Absprache: Wo treffen wir uns, wer kümmert sich um was, wen rufen wir an, wenn das Telefon nicht geht? Dieser Leitfaden führt in 7 Schritten durch die wichtigsten Punkte.
Warum überhaupt ein Notfallplan?
Die meisten Familien gehen implizit davon aus, dass schon alles irgendwie funktioniert, wenn etwas passiert. In der Realität fällt im Ernstfall als Erstes das Handynetz aus, dann fehlt die Koordination, und entscheidende Minuten gehen verloren mit der Frage „Wo bist du?" statt „Lass uns zum Treffpunkt gehen".
Ein schriftlicher Plan löst genau dieses Problem: Alle wissen vorher, was zu tun ist. Kein Streit, keine Panik, kein Suchen nach Kontakten im nicht-funktionierenden Smartphone.
Schritt 1: Szenarien durchgehen
Überlegt gemeinsam: Wovor wollt ihr euch realistisch wappnen? Nicht jede Katastrophe, sondern die wahrscheinlichen Fälle:
- Längerer Stromausfall / Blackout — kein Netz, kein Bezahlen mit Karte, Kühlschrank fällt aus
- Extremwetter — Sturm, Hochwasser, Hitzewelle
- Chemieunfall oder Großbrand in der Umgebung — Aufforderung zum Haus verlassen oder im Haus bleiben
- Persönlicher Notfall — Unfall, medizinische Lage, die Koordination erfordert
Die Antworten bestimmen, wie ausführlich der Plan sein muss.
Schritt 2: Zwei feste Treffpunkte bestimmen
Ein Haupttreffpunkt und ein Ausweichtreffpunkt. Beide sollten:
- zu Fuß erreichbar sein (nicht auf Auto / ÖPNV angewiesen)
- an markanten, unverwechselbaren Orten liegen (nicht „an der Ecke", sondern „Brunnen vor der Kirche")
- bei verschiedenen Lagen funktionieren — ein Treffpunkt im Wohngebiet und einer außerhalb
Beispielhaft: Haupttreffpunkt Spielplatz X. Wenn dort jemand gebraucht wird oder die Lage eskaliert: Ausweichtreffpunkt Bahnhof Y. Kinder lernen beide Orte, inklusive des Wegs dorthin.
Schritt 3: Notfallkontakte festlegen
Drei Typen von Kontakten gehören in den Plan:
- Die wichtigsten Nummern: 112, 110, Hausärztin, nächstes Krankenhaus, Giftnotruf
- Naher Kreis: alle Familienmitglieder und 2–3 enge Vertrauenspersonen
- Anker außerhalb der Region: Eine Person in einer anderen Stadt. Bei lokalem Netzausfall funktioniert Telefonie oft noch überregional — diese Person wird zur Schaltstelle, falls ihr euch innerhalb eurer Gruppe nicht direkt erreicht
Schritt 4: Rollen und Aufgaben verteilen
Im Ernstfall hilft es, wenn jede Person weiß, wofür sie zuständig ist:
- Wer holt die Kinder ab?
- Wer kümmert sich um Haustiere?
- Wer hat die Notfalltasche griffbereit?
- Wer ruft den Anker außerhalb der Region an?
- Wer schließt Fenster, Gas, sichert die Wohnung?
Diese Aufgaben werden nicht improvisiert — sie stehen im Plan.
Schritt 5: Packliste für die Notfalltasche
Eine Tasche pro Person, griffbereit an einem bekannten Ort (nicht im Keller unter Dingen vergraben). Inhalt minimal, aber vollständig:
- Ausweiskopien, wichtige Dokumente (wasserfest)
- Bargeld (kleine Scheine + Münzen für Automaten/Telefone)
- Ausgedruckter Notfallplan mit allen Kontakten
- Persönliche Medikamente für 7 Tage
- Ladekabel, Powerbank, kleine Taschenlampe
- Wechselkleidung, wetterfeste Jacke
- Wasser (1,5 l) und Riegel / lang haltbare Nahrung
- Für Kinder: Lieblingsspielzeug, Trost
Schritt 6: Kommunikations-Absprache
Legt fest, was gilt, wenn Netz oder Strom ausfällt:
- „Nach 30 Minuten ohne Kontakt gehen alle zum Haupttreffpunkt."
- „Eine SMS kommt oft durch, wenn Anrufe nicht funktionieren — also lieber kurze Nachricht als Anruf."
- „Die Person außerhalb der Region ist unser Knotenpunkt — alle melden sich dort, falls wir uns verlieren."
Schritt 7: Offline verfügbar machen und üben
Der beste Plan ist nutzlos, wenn er nur im Smartphone liegt und das Smartphone leer ist. Drei Kopien:
- Ausgedruckt in der Notfalltasche
- Sichtbar am Kühlschrank oder in der Küche
- Offline-Version auf dem Handy (PDF lokal gespeichert)
Einmal pro Jahr durchgehen: Stimmen die Nummern noch? Sind die Treffpunkte noch sinnvoll? Haben sich Zuständigkeiten geändert? Das nimmt 15 Minuten und sorgt dafür, dass der Plan lebendig bleibt.
Den Plan gemeinsam in der App erstellen
Wertekrise führt euch Schritt für Schritt durch genau diese Punkte — zusammen mit Familie, Freunden oder Nachbarn. Alles offline verfügbar und als PDF druckbar.
Kostenlos startenHäufige Fragen
Wie oft sollten wir den Plan aktualisieren?
Mindestens einmal pro Jahr, und nach jedem Umzug oder wenn sich Kontaktdaten ändern.
Ab welchem Alter binde ich Kinder ein?
Ab etwa 5 Jahren können Kinder Treffpunkte und Eltern-Telefonnummern lernen. Ab 8 Jahren auch die Logik („wenn A nicht geht, dann B“). Ernst, aber ohne Angst vermitteln.
Brauche ich das wirklich, wenn bei uns nie was passiert?
Der Plan braucht 30 Minuten. Der Ernstfall kostet ohne Plan oft Stunden oder mehr. Das Verhältnis spricht klar für den Plan — selbst wenn er nie gebraucht wird.